Auch die Erbschaftsklage nach Art. 598 ZGB, bei welcher nicht die Erbeneigenschaft strittig ist, sondern bei welcher der Besitzer bloss ein besseres Recht ("Sondertitel") am Gegenstand geltend macht, ist eine erbrechtliche Klage im Sinne von Art. 86 IPRG und kann damit am letzten (schweizerischen) Wohnsitz des Erblassers anhängig gemacht werden.

Urteil des Bundesgerichts vom 2. Mai 2006, 5C.261/2005

Als "erbrechtliche Klage" i.S.v. Art. 86 IPRG gilt namentlich auch die Erbschaftsklage gemäss Art. 598 ZGB, mit welcher die Herausgabe der Erbschaft oder einer Erbschaftssache verlangt wird. Wird nun die Herausgabe von Erbschaftssachen verlangt, ist aber zuerst zu prüfen, ob es sich wirklich um eine Erbschaftsklage nach Art. 598 ZGB handelt:
Ruft [...] der Kläger seine Eigenschaft als Erbe nur an, um darzutun, dass er Inhaber eines Rechtes sei, das dem Erblasser zustand, so erhebt er, selbst wenn er die rückgabe der Erbschaftssache verlangt, nicht eine Erbschaftsklage; er führt diesfalls nur die Klage, die seinem Rechtsvorgänger zustand

Solche Klagen sind eigentlich nicht erbrechtlicher Natur und fallen daher nicht unter Art. 86 IPRG.

Nach der in BGE 91 II 327 vollzogenen Praxisänderung des Bundesgerichts ist allerdings
die Erbschaftsklage auch zulässig, wenn die Eigenschaft des herausverlangten Vermögenswertes als Erbschaftssache nicht strittig ist, und der Beklagte einen Sondertitel - wie etwa eine Schenkung des Erblassers -
geltend macht; in solchen fällen ist die Gültigkeit des Sondertitels vorfrageweise zu prüfen (BGE 91 II 327)

Entsprechend ist es möglich, dass die Erbschaftsklage angestrengt wird, obwohl eigentlich nur das Bestehen des "Sondertitels" streitig ist. Nach Auffassung des Bundesgerichts gelten auch solche Erbschaftklagen als "erbrechtliche Klagen" im Sinne von Art. 86 IPRG.

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